..: Hommage an Ehrendirigent Peter Fihn


Hommage an PETER FIHN -
ein Musikant aus Leidenschaft

Peter Fihn
* 10.01.1908
+ 06.06.1998
Ein Drittel der über 90-jährigen Geschichte des Musikvereins hat er aktiven Einfluß auf die Entwicklung des Musikvereins ausgeübt. Die letzten Jahre gab es keinen Anlaß, bei welchem sein Name nicht erwähnt wurde.
Aufgrund seines Lebenswerkes und langjährigen aktivem Dazutun zum Musikverein soll hiermit noch einmal besonders an ihn erinnert werden.
Peter Fihn wurde am 10. Januar 1908 im viel zitierten Schmelztiegel der k.u.k. Donaumonarchie geboren. Er besuchte dort die Volksschule.
Von seiner Schwester bekam er das erste Musikinstrument, eine reparaturbedürftige Harmonika geschenkt. Nachdem er sie selbst repariert hatte, startete er darauf seine ersten musikalischen Versuche. Später schenkte ihm seine Mutter eine neue Harmonika und eine Klarinette.
Mit 12 Jahren wurde er vom Kapellmeister "Schlotterjosef" in die Schützenmusik, der damaligen Dorfkapelle, aufgenommen und erhielt bereits als Dreizehnjähriger Musikunterricht in seiner donauschwäbischen Heimat.
Bis 1928 hatte er sich so viel Fähigkeiten erworben, daß er in seinem Heimatort Gajdobra sogleich zum Leiter der Feuerwehrkapelle avancierte.
In seiner Militärzeit kam Peter Fihn zur Regimentsmusik der königlichen Garde nach Belgrad, wo er die Gelegenheit erhielt, vier Semester am Stankovic-Konservatorium zu studieren.
Dort machte er sich zwar mit der klassischen Musik vertraut, sein Herz aber schlug weiterhin für die Klänge der heimatlichen Musik.
1943/44 wurde er zur deutschen Wehrmacht einberufen.
Seine Frau wurde 1944 aus der Heimat vertrieben, bevor die Familie 1945 in Linz (Österreich) wieder zusammen fand.
Nach dem Krieg folgten Vagantenjahre in Österreich. Der Bogen spannt sich hier vom Gelegenheitsmusiker bis zum Leiter einer Tanzkapelle.
Die Übersiedelung nach Württemberg war der Anfang einer sehr langen, fruchtbaren und erfolgreichen Schaffensperiode des Erzmusikanten.
Da die Fihns Bekannte in Mittelstadt hatten, zog die Familie 1953 in die Gemeinde an den Neckar. Von diesem Tag an war Peter Fihn maßgeblich am Aufbau des Musikvereins beteiligt.
Da die Musik zur Existenzsicherung nicht ganz ausreichte, arbeitete Peter Fihn von 1953 bis 1974 in der Maschinenfabrik Holder in Metzingen.
Nebenbei leitete und dirigierte er auch einige Zeit die Blaskapellen in Riederich und Neckartenzlingen, wo er sich 1960 niederließ.
Mit seiner Verpflichtung als musikalischer Leiter erhielt unsere Vereinsgeschichte einen entscheidenden Wendepunkt. Mit seinem Wissen und Können war es ihm möglich, auch einen ländlichen Musikverein in ungeahnte Höhen zu führen. In all den Jahren ging es bei unserem Verein laufend bergauf. Er hatte unsere Kapelle bei Wertungsspielen von der Unterstufe in die Oberstufe geführt. Auch in der Jugendarbeit leistete er hervorragende Dienste - die meisten der derzeit aktiven Musikanten wurden von ihm ausgebildet.
1971 erhält er beim 60-jährigen Bestehen des Musikvereins den Bundesehrenbrief des Volksmusikerbundes.
Beim Kreismusikfest am 26. Juli 1973 wird ihm die Fördermedaille in Bronze des deutschen Volksmusikerverbandes verliehen.
Als Hommage an seinen Arbeitgeber und die Arbeitskollegen schrieb er den "Holder-Marsch" mitte der 50er Jahre. 1974 trat er seinen Arbeitsruhestand an. Danach widmete sich Peter Fihn mit seiner ganzen verfügbaren Kraft und Freizeit der Volksmusik. Von der GEMA als volles Mitglied aufgenommen, kam er nun auch in den Genuß, daß seine Kompositionen finanziell etwas einbringen. Vorher hatte er keine Eigentumsrechte an seinen Kompositionen, welche oft und gerne kopiert wurden.
Weit über 100 Kompositionen und Arrangements, zahlreiche Schallplatten beweisen seine fleißige Federführung.
Mit Veranstaltungen im In- und Ausland, Sendungen des Südwestfunks, des Süddeutschen Rundfunks und des Deutschlandfunks machte sich Peter Fihn daher auch als Komponist volkstümlicher Blasmusik einen großen Namen.
30 Jahre lang führte er den Taktstock beim Musikverein, bevor er aus Altersgründen auch musikalisch ruhigeres Fahrwasser ansteuerte und 1983 den Dirigentenstab an Roland Stanger übergab.
Am 8. Oktober 1983 ernannte der Musikverein seinen verdienstreichen Dirigenten und musikalischen Betreuer zum Ehrendirigenten.
All die vielen Jahre hatte er seine musikalische Schaffenskraft zur Verfügung gestellt und den Musikverein weit über den regionalen Bereich hinaus bekannt gemacht.
Er und seine Kompositionen kennt und hört man nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in Österreich und der Schweiz.
Peter Fihn war Träger höchster Auszeichnungen, nicht allein der Vereine und Gemeinden, in denen er gewirkt hat.
Das goldene Verdienstkreuz des Bundesverbandes der Blasmusik, Verdienstnadel und Bundesfördermedaille in Gold des deutschen Volksmusikerbundes, Ehrennadel des Oberösterreichischen Blasmusikverbandes, - das sind nur einige der vielen Meilensteine aus seinem übervollen Musikantenleben.
1992 war er zu Gast beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten in der Villa Hammerschmidt. Dort erhielt er das Bundesverdienstkreuz für sein großes Engagement zugunsten des Gemeinwohls. "Die von ihm komponierten Märsche, Walzer und Polkas machten deutsches Brauchtum auch in Texas bekannt und beliebt...", lobte damals Frau von Weizsäcker.
Der volkstümlichen Musik gehörte sein ganzes Herz, und um ihre Pflege hat er sich große Dienste erworben.
Nur wenige Monate nach seinem 90. Geburtstag hat sein überaus erfülltes Leben ein unerwartetes Ende genommen.
Am 6. Juni 1998 verstarb unser Ehrendirigent im Kreise seiner Familie.
Der Musikverein versucht indessen, ihm mit dem Erhalt seines musikalischen Gedankens und der Darbietung seiner vielen Kompositionen, ein bleibendes und ehrendes Andenken zu setzen.

PETER FIHN - auch Heute ein Begriff

Sein Schaffen und seine Stücke haben ihm auch einen Eintrag in der Wikipedia Datenbank verschafft.

» Peter Fihn bei Wikipedia